Transafrika klassisch

Reisebericht von Markus Bruns

Durchquerung des Nordzaire auf der klassischen Route im Mai / Juni 2000.

Kamerun - Zentralafrikanische Republik - Zaire - Uganda

Unsere (Ralf und sein Freund Api) Reise begann am 10.10.99 und dauerte 10 Monate.Wir hatten am 11.5.2000 das Mulivisa für Centralafrika in Yaounde bekommen, sind dann über guter geschoberner Piste oder nagelneuer Teerstasse (damit das Tropenholz auch besser und schneller nach Douala kommen kam) über Bertoua, Bouar, Boali nach Bangui (20.5.00) gefahren. Ab Ostkamerun fings dann auch wieder mit den Schmiergeldzahlungen an, wobei wir am Pk12 und Pk5 in Bangui nicht genötigt wurden. In Bangui war extreme Benzinknappheit, da die Regenzeit etwas spät dran war (unser Glück), und kein Benzin von Brazzaville via Schiff nach Bangui transportiert werden konnte. Doch wir hatten Glück, dass drei Tage später Lastzüge von Kamerun ankamen und wir uns nicht auf dem Schwarzmarkt bedienen mussten. Wir sind auf dem Camgingplatz Dalango abgestiegen (etwas ausserhalb hinter pk 5) Osse Bonaventure, der Bersitzer ein sehr freundlicher Mann. Ein Schlüsselerlebnis hatten wir mal auf einer Fahrt in die City. Da das Taxi gut gefüllt war, stieg ich in den Kofferraum. Ein Mitfahrer musste etwas abseits der Strasse raus, wo natürlich auch eine Polizeistation war. Der Hilfspolizist lies sich nicht lang bitten: einmal ins Kabuff Pass und Impfausweis bitte. Den Impfausweis hatte ich ausnahmsweise mal nicht mit (ist auch nur, wenn überhaupt, bei der Einreise erforderlich), das war das gefundene Fressen. In der Zwischenzeit hatte sich der Taxifahrer aus dem Staub gemacht, kam aber später wieder. Nach langem hin und her, seinen Argumenten, dass mein Visa der Elfenbeinküste abgefaufen sei, hatten wir ihnen verklickert, dass wir auf den Weg waren, um bei der Mission Geld zu leihen, da wir auf Geld von Western Union warten würden (was zwar alles erlogen war), stellten sie wohl fest, das momentan nichts zu holen war.

Tags drauf trafen wir den Chef auf dem Markt wieder, der sich höflich erkundigte, ob wir das Geld schon bekommen hätten. Ein weiteres Mal kurz nach dem Grenzübertritt nach Centralafrika, durften wir mal wieder über den Wegezoll diskutieren, was in der Regel so von Statten ging: Api hatte eine leere Geldbörse, zeigte sie mit der Begrüngung: kein Geld, Hauptstadt, Western Union, was sogar sehr oft zog. Falls nicht, fragte er mich ,der natürlich kein Englisch oder Französisch in dem Moment verstand auf Deutsch, ob ich Geld hätte, zog Geldbörse Nummer zwei raus mit 1000 –3000 CFA und der Kittel war geflickt. Geldbörse Nr. 3 mit richtig Geld (~100$) kam nur bei der Einreise in den Zaire raus.) Ja, da saßen wir bei dem Meister in der Hütte (Schwarzenegger mit geschultertem Maschinengewehr-Poster an der Wand) und waren gerade bei dem Abschnitt Geldbörse Nr 1, als der Chef seine Pistole nahm und abdrückte (nicht geladen). Als wir verstanden hatten, dass er nicht lange diskutieren wollte und eh die besseren Argumente besaß, gaben wir ihm 2000 CFA und suchten das Weite. Und zum Dritten: Kontrolle, Versicherungspapiere, (die allerdings abgelaufen waren), was der Herr natürlich sah, und uns mitteilte. Api nahm das Stück Papier, schaute kurz drauf und sagte: „ Ist doch in Ordnung, schauen sie mal richtig hin", gesagt, getan und er erwiderte „stimmt, ist in Ordnung". Vollgetankt ging es mit Zairevisa (46.000CFA) von Bangui via Bambari, Bangasso, Rafai nach Zemio. Benzin haben wir teils auf der Strasse, teils bei den Missionen gekauft. Bis hierhin waren die Fähren alle autotauglich. Von Zemio sind wir dann (30.5.00) erstmals mit der Piropge übergesetzt. Ihr könnt wahrscheinlich ungefähr nachahnen, wie man sich fühlt, wenn das Bike in so einer Nussschale senkrecht stehend über einen Fluss von ~ 200m mit Wellengang übergesetzt wird.

als die Wege schlechter werden....

Laut Carneeabschnitt ist schon mal ein Mercedes G mit mehreren Pirogen an der Stelle übergesetzt. In Zaire angekommen durften wir dann 150 DM an "Gebühren" zahlen (u.a. fürs Visa der Rebellen, Kamera und was denen nicht sonst so alles einfällt. Wir wusten zwar, dass das eigentliche Visa nicht anerkannt werden würde, aber ohne hätten sie andersrum diskutiert und wir wohl noch schlechter dargestanden.) Weiter nach Gwane (50km in zwei Tagen). Die gesamte Strecke war bis 100km vor Arua (Uganda) in schlechten Zustand, tiefe Auswaschungen, Pfützen, wo man Gott sei dank nicht durchmußte, andere wo man durch mußte und das Motorrad ausging , weil der Auspuff unter Wasser kam. Brücken gab es nicht, oder allenfalls zwei nebeneinanderliegende Bäume. Die Rute, die wir gefahren sind, war ausschliesslich nur von Radfahrern benutzt, die Palmöl von Buta nach Uganda und Benzin retour transportiert haben, wo wir auch unseren Bedarf gedeckt haben. (Benzinpreise zwischen 1,5$ Isiro und 3$ auf der Piste, maximaler Verbrauch 17 Liter auf 100km, DR 650 SE ; XR 600). Weiter nach Ango (Mission), Dili, und 20 km vor Poko brach Api sich zum zweiten Mal das Wadenbein (alter Bruch), nachdem er in Kamerun sich zwischen Ngaoundere und 80 km vor Foumban eine Polizeischranke zu spät gesehen, sein Moto bei 80 Sachen auf die Seite geschmissen und unter die Schranke hindurchgeschlittert ist. Das Problem war nur, dass wärend des 20m Feindkontaktes sein Fuss zwischen Moto und Piste war. Als er aufstand zeigte sein Fuss in die andere Richtung. Nachdem er sich paar Minuten mit der Begründung „ist nicht so schlimm, der Fuss braucht nur etwas Zeit" hingelegt hatte, gings via Taxi nach Foumban.

 

alle Farben des Regenbogens>>>

Nachdem ein lokaler Arzt in Foumban (der in der DDR studiert hatte) seinen Fuss mit 4 weiteren Leuten eingerängt hatte (jeder durfte mal ziehen, inkl.der Praktikant) wurde der Fuss gegipst und wir sind weiter nach Douala gefahren, wo wir 4 Wochen Zwangspause machten. In Poko (6.6.00) pausierten wir 2 Tage (Röntgen anno 1950, nur anstatt Api den Bleigürtel bekam, zog es der Doc vor, sich das Ding umzuschnallen. Dachdem er das Ergebnis im Mondlicht begutachtet hatte, kam er zu dem Ergebnis, daß das Schienenbein gebrochen wäre, was wohl auch nicht ganz stimmte.

 gute Fähren....

Herzinfarkt Fähren....

Da es nicht viele Möglichkeiten gab, fuhren wir weiter, für die zwei Tage sollten wir für das Zimmer bei der Mission mit vielen Untermietern im Bett 105$ zahlen, wir gaben 5 $ und fuhren bitterböse weiter. In Isiro pausierten wir 5 Tage bei der belgischen Mission (15$ pro Tag und Person, Einzelzimmer ,3 vorzügliche Mahlzeiten pro Tag, inkl. Bier. Im Gegensatz zu den anderen Tagen auf der Piste = 1mal Essen am Abend :1 Packet Spagetti 2xTomatenmark, 1x Maggiwürfel, 1x Zwiebel, Festtage 1x Advocado, ansonsten nur Mangos, Papaja und Ananas, welche reichlich am Wegesrand standen, sowie bis zu 10 Litern Wasser.) - Nebenbei bemerkt, ich hab auf der Reise 13 kg abgenommen.- Am vorletzten Tag in Isiro kam der Vater von Poko zu Besuch, und hatte nichts besseres zu tun, am Abendtisch zu sagen ,daß wir die Rechnung nicht bezahlt hätten. Nachdem wir uns beim belgischen Vater ausgesprochen hatten, meinte er zu uns, das es nicht das erste Mal sei, das der Vater aus Poko so Klöpse reisst. Nachdem die örtl. Behörde von Isiro Wind bekommen hatte, dass Touristen in der Mission wären, mußten wir nochmal 20$ pro Person zahlen, was aber seine Richtigkeit wohl hatte (da in der bereiste Region Diamant und Gold abgebaut werden).Ansonsten haben wir nirgens in Zaire bezahlt, da wir eh das Schnellste waren ,was dort rumfuhr. Wenn die Dorfpolizisten noch schlaftrunkend die Hand hoben, haben wir schön (zurück)gegrüsst und Gas gegeben, es sei denn da waren mehr Waffen als Fluchtwege.

Zu der Zeit, wo wir in Isiro waren, waren 500 km weiter in Kisangani Gefechte. Die Lage im Rebellengebiet war ruhig und geordnet, wäre das Ugandische Militär nicht präsent gewesen, (Kindsoldaten von 12 Jahren mit Fluppe im Mund und Automatik auf dem Rücken.) wären wir der Wilkür der Polizei weit mehr ausgeliefert gewesen. Nachdem wir bei der Mission vollgetankt und die Reserven aufgefüllt haben (Sprit 1,5$/l , Büchse Sardinen 2,5$) ging es (13.6.00) nach Watsa. Ausser in Poko, Isiro und Watza haben wir nur auf dieser Strecke einen Truck getroffen, der für 200km 4 Wochen gebraucht hatte. (Mungbere-Gombari; Lkw +1 Fahrer +5 Leute die die Piste präperierten) Wir kamen nur zu den Entschluss, dass sie ausser Sperrgut noch schmuggeln mussten, ansonsten hätte sich der Benzinverbrauch nicht gerechnet. In Watsa kamen wir ebenfalls bei einer lokalen Mission unter (netter Pater). Weiter über Makoro, Adranga nach Aru(a) ( 22.6.00). Die Piste von Aba nach Arua soll zu der Zeit ein einem 1a Zustand gewesen sein (laut UN). In Uganda haben wir noch den Murchinson Nat. Park besucht weiter nach Kampala, Nairobi, wo Api bei einem amerik. Spezialisten fachmännisch geröngt wurde. Sein Urteil: "Operation, können wir nächsten Montag machen". Api lehnte Dankend ab, drei Tage später ist er ausgeflogen worden. Seine Operation war nicht ohne, die Knochen mußten abgefräst werden, im Gelenk hatte sich 1cm Narbengewebe angesammelt. Sein Komentar paar einige Zeit nach der OP: Mein Fuß/Bein sieht wie eine Roulade aus.

Matsch fun!

Ich bin noch einen Monat länger geblieben habe mir die Masai Mara, Ngorongoro, Zanzibar, Diani Beach angeschaut und mit der israelischen Fluggesellschaft El Al (1,5 Std. Fragestunde mit dreimaligen Check des Gepäcks um 1 Uhr früh) nach Zürich geflogen und einen Tag später zum Voodoo Treffen gefahren. Fakt: Zur derzeitigen Sicherheitslage kann ich nichts sagen. Das beste ist sich gut vor Ort bei Botschaften und wie wir es gemacht haben sich von Mission zu Mission durchzufragen. Hätten die Missionare das Weite gesucht, wären wir mit Sicherheit nicht in den Zaire reingefahren, da bekanntlich diese als letztes das sinkende Schiff verlassen bzw. ausgeflogen werden. Die Strecke ist zu machen, wir hatten Glück, das die Regenzeit noch nicht voll im Gange war. In der Regel sind wir morgens um 5 losgefahren und haben um 16 Uhr den Töff abgestellt, unser Zelt aufgebaut, gegessen und tot ins Bett gefallen.

Ab und an haben wir in Kirchen (nicht mehr als eine Rundhütte mit einem Tisch als Altar, welcher beinahe von uns mal zum Kochen entweiht wurde) übernachtet, die allerdings nur Sonntags benutzt wurden. Ansonsten haben wir in verlassenen oder bewohnten Dörfern von 5 Häusern geschlafen, dessen Bewohner zum Teil sehr nett und neugierig waren. Wir haben nur einmal richtige Pygmäen gesehen, was ich nie vergessen werde. Die zwei zierlichen, tätowierten Frauen hatten wohl noch nie Weisse gesehen und wir noch nie Pygmäen. Mit dem Auto müsste man sich auf das gleiche wie Ihr „erfahren" habt, gefasst machen.Uns wurde in Centralafrika gesagt, dass es auch möglich sei, über Obo in den Sudan und dann nach Uganda zu gelangen. Wäre eine interessante Alternative gewesen.

kein Weg für Autos