Dachaufbau

Auch ein Hubdach hat natürlich Nachteile. Alle beweglichen Teile sind einem langsamen aber steten Verschleiss ausgesetzt und die Zeltwand schützt nur eingeschränkt gegen Regen, Kälte und starke Winde. Damit muss der Fahrzeuginnenausbau so gewählt werden, dass wir zur Not auch im Wagen essen und schlafen können, ohne das Dach zu öffnen. Das ist dann zwar alles recht beengt, aber wir sind ja noch jung... (mal schauen was wir in 10 Jahren von der Bauanordnung denken).

Was wir nach einem Jahr unterwegs in Südamerika ändern würden, findet Ihr neu hier:

Zur Auswahl standen verschiedene Aufbauer, wobei unsere Wahl schliesslich auf Innovation Campers in Warendorf (D) fiel.

Zu unserem Glück konnten wir uns einen fertigen Dachaufbau eines neu nach Zürich ausgelieferten Wagens anschauen und mussten nicht die 850 Km nach Norden fahren, nur um mal zu schauen. Die Gesamtlösung des Daches hat uns dann aber sofort überzeugt. Die konstruktiven Unterschiede der verschiedenen Möglichkeiten, wie man ein Hubdach auf dem Wagen befestigt sind für uns Laien zu kompliziert, um sie zu erklären oder Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Aber diese Erklärung erhält man fachkundig von den verschiedenen Anbietern, die das jeweils aus ihrer Sicht beste Konzept anbieten. Welches Dach nun das wirklich "Beste" sein mag, wird kaum festzustellen sein. Denn worauf liegt der Hauptaugenmerk? Haltbarkeit, optische Erscheinung, Wasserdichtheit, Bedienungsfreundlichkeit, Preis, Optik usw. So individuell wie die Kundenwünsche sind, so unterschiedlich wird auch die Wahl ausfallen, welchem Aufbauer man sein nagelneues Fahrzeug anvertraut, um das Dach raus zuschneiden.

Die Entscheidung bei wem man ein Dach in Auftrag gibt - falls man eines denn haben will - muss jedem einzelnen nach reiflicher Überlegung und Abklärung mit den verschiedenen Anbietern selbst überlassen bleiben. Nur eine grundsätzliche Überlegung: ein erfahrener Ausbauer, der bereits mehrere Dutzend Fahrzeuge aufgebaut hat (und dementsprechende Fehler bereits erkennen und ausmerzen konnte) ist uns viel sympathischer als der Spengler um die Ecke, der die Arbeit zwar auch fachgerecht erledigt, aber über keine Erfahrung verfügt, was alles falsch sein könnte und welche zusätzlichen Belastungen bei einer Fernreise auftreten.

Seitenansicht mit teilgeöffnetem Moskitonetz bei geöffneter Dachluke

Das Hubdach von Innovation Campers ist aus glatten Aluminiumsandwichplatten geformt und wird auf einem Aluminiumzusatzrahmen gelagert, der anstelle des Orginaldachs montiert ist. Dieser Rahmen versteift die Karosserie und bildet an der Vorderseite den Aufnahmepunkt für das Scharnier des Hubdaches. Das Hubdach ist dann noch seitlich auf Gasdruckstossdämpfern gelagert, die die Öffnung des Daches unterstützen, sobald man es wenige Zentimeter angehoben hat. Der Hilfsrahmen ist zweiteilig (Innen und Aussenrahmen) und wird im Dachausschnitt verkeilt und verklebt. Die Verklebung erscheint uns als sehr sinnvoll, da moderne Industriekleber gewaltige Festigkeiten erreichen, dennoch aber eine gewisse Elastizität erhalten und das Aluminium gegenüber dem Fahrzeugblech isolieren.

Der Aluminiumrahmen füllt zudem die "abfallende Fläche" über den Fahrersitzen auf, was wir persönlich (ohne über die vertieften Kenntnisse eines Fachmanns zu verfügen) als vorteilhaft erachten: a) das Scharnier des Hubdachs ist an der breitesten Stelle des Hilfsrahmens angebracht und stützt damit die auftretenden Kräfte breit ab; b) das Dach selbst kann sehr flach (und damit leicht) gehalten werden, was sowohl die anzuhebende Masse reduziert als auch die Kräfte auf das Scharnier begrenzt; c) im Hilfsrahmen eingearbeitet ist eine "Wanne", die das geschlossene Dach fest in seiner Position fixiert und ein Verrutschen auch bei übelster Pistenfahrt verhindern sollte; d) auch bildet die ebene Fläche des Hilfsrahmens eine gute Basis, wenn wir uns eines Tages entscheiden sollten, das Hubdach abzunehmen und durch einen festen Aufbau zu ersetzen.

Die Verarbeitung des Zeltstoffs ist professionell und zeugt mit dem Verlauf des Fenster nur einen Zentimeter unter dem Dach (ermöglicht durch die überhängende Aluminiumseiten das Belüften auch bei Regen) von grosser Arbeitspräzision. Die moskitonetzbewehrten Fenster lassen sich bis zur unteren Kante öffnen und decken ca. 80% der Seitenfläche ab. So können wir bei Hitze bestens belüften oder auch bequem im liegen aus dem Wagen schauen. Zudem wird das sich innen am Stoff niederschlagende Kondenswasser durch eine innen liegende "Regenleiste" nach aussen abgeführt.

Für alle Arbeiten gab es feste Listenpreise und mit über 160 aufgebauten Fahrzeugen blickt Innovation Campers auf eine lange Erfahrung zurück. Neben dem TÜV-Eintrag wurde auch der Fertigstellungstermin (Abgabe plus 4 Wochen) eingehalten.

Frontansicht mit zweitem Ersatzrad auf dem Dach und zwei Solarpaneln,

aus denen 3 Optima Batterien im Motorraum gespeist werden

Aber auch die Kleinigkeiten der Konstruktion haben uns überzeugt. Auf dem Dach sind zwei stabile Befestigungsleisten montiert, an denen wir neben einem zweiten Ersatzrad (Bild oben) auch eine Solaranlage (Bild unten) befestigen können. Von weiterem Gepäck auf dem Dach sehen wir angesichts des ungünstigen Schwerpunkts ab, könnten aber wesentlich mehr auf das Dach laden, das auch gut 2 Personen verträgt, wenn man sich draufstellen möchte. Begeistert sind wir von der grossen Heckluke, durch die wir zu zweit Tiere beobachten können oder bei Nacht die Sterne beobachten. Sie erleichtert auch das Besteigen des Dachs von innen in geschlossenem Zustand. Auch die Position am hintersten Ende des Dachs ist optimal, da die Ladung aufgrund der Hebelwirkung soweit als möglich vorne befestigt werden sollte. Der grösste Vorteil der Dachluke ist aber der "Kamineffekt" um den Wagen zu belüften, wenn man ihn auskühlen will. Die warme Luft zieht nach oben ab und auch beflügelte Störenfriede (Moskitos etc.) lassen sich gut nach oben vertreiben.

Das Dach ist von innen isoliert und mit Teppich verkleidet. Zudem sind zwei Halogenlampen kurz vor der Dachluke eingelassen, die ein herrliches Licht ergeben. Gerade beim Lesen im Bett wissen wir dieses Licht zu schätzen.

Und "last but not least" waren wir auch von dem äusseren Erscheinungsbild des lackierten Dachs sofort begeistert. Uns erschien rohes Aluminium-Riffelblech als zu "martialisch" und auffällig. Die lackierte Aluminiumsandwich-Konstruktion passt sich harmonisch an das Fahrzeug an und lässt den Aufbau schnell übersehen. Mit einigen Schweizer Kreuzen versehen, könnte man damit glatt bei diversen Strassensperren als Krankenwagen durchgehen. Für die Dachoberseite haben wir aber Aluriffel gewählt, um ein Verrutschen der Dachladung zu verhindern.

Eingeklappt ist der Toyota nun 2,23 Meter auf 235/85 R16 Reifen hoch. Das lässt noch genügend Raum für ein etwas härteres Fahrwerk und der Wagen passt immer noch in einen Container (auch wenn wir Luft ablassen müssen und evtl. die Federn vorspannen müssen). Aufgeklappt hat der Wagen am Heck eine Innenhöhe von rund 2,30 Meter (nach vorne nimmt die Höhe natürlich deutlich ab). Dennoch ist es genügend Raum um auch zu zweit im ausgebauten Auto stehen zu können. Geschlafen wird auf Höhe der Regenleiste. Dort werden innen einige Holzbretter eingelegt und erzeugen ein Bett von ca. 128cm (b) x 220cm (l) Grösse. Von den von Innovation Campers gelieferten Originalbrettern ist das erste über den Fahrersitzen konstruktionsbedingt eingeklebt. Nach dem Innenaufbau haben wir die beiden anderen Bretter, die in ihrer Grösse recht unhandlich sind, entfernt und durch drei kleinere Bretter ersetzt (mehr dazu beim Innenausbau).

Zunächst ist das Bett zwar etwas eng, aber auf unseren Thermarest Matten (De Luxe Ausführung 65x195 cm, viel besser als Schaumstoff) liegen wir sehr bequem. Die Matten sind nicht nur wärmer als Schaumstoff, sie sind auch viel schneller zu trocknen, falls sie einmal feucht werden und können je nach Befinden härter oder weicher aufgepumpt werden. Auch haben etwaige ungebetene Gäste (Krabbelgetier) weniger Chancen sich einzunisten.

Das Dach hat sich zwar in den Tagen heftigen skandinavischen Dauerregens als absolut dicht erwiesen, aber das sich im Wagen niederschlagende Kondenswasser ist nicht zu unterschätzen. Auch wenn man konstruktionsbedingt mit den Schlafsäcken und den Matten nicht an das Zeltgewebe kommt (der mit Teppich isolierte Aluminiumhilfsrahmen des Dachs, steht rund 10 cm über die Liegefläche hoch und bildet so eine stabile Begrenzung der Liegefläche), ist es doch ratsam, bei Dauerregen eine Aluminiumfolie entlang der Zeltwand innen zu verlegen, so dass das Kondenswasser (sammelt sich gerne an den Aluleisten, mit denen die Zeltplane an Rahmen und Dach befestigt ist) nicht in die Schlafsäcke kriechen kann. Zudem ist es ratsam und absolut normal, das Kondenswasser öfters aufzuwischen.

Zur Not (bei absolut katastrophalem Wetter) können wir mit den Bettbrettern auch den Mittelgang des Innenraums bei geschlossenem Dach auffüllen und so ein Notbett für eine Nacht ergeben. (Der Zuschnitt der Bretter und der Ausbau des Schranks sind auf der nächsten Seite erläutert)

Bei trockenem, einigermassen warmem Wetter ist das Hubdach nahezu ohne Nachteile. Die grossen Seitenfenster lassen ein Klima zu, als wenn man im freien liegen würde. Bei sehr starken, schlagenden Winden stellt sich aber wieder die Frage, ob das Dach nicht besser geschlossen werden sollte um möglichen Schäden am Zeltstoff vorzubeugen. Da es schwer zu sagen ist, ab welcher Sturmstärke das Dach Schaden nehmen würde, sind wir da eher vorsichtig.

So lässt sich abschliessend sagen, dass bis auf die Ausnahme bei sehr schlechtem und zerstörerischem Wetter das Hubdach eigentlich immer genutzt werden kann. Spätestens mit dem Einsatz der Standheizung waren Kälte und Feuchtigkeitsprobleme behoben. Und nur einmal mussten wir eine windgeschützte Ecke suchen, nachdem wir im Bett fast seekrank wurden. In unseren vier Wochen Norwegen mussten wir dementsprechend trotz teilweise heftigem Regen nie auf das Aufstellen des Dachs verzichten.

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